Wildbiene der Woche 2022

Lernen Sie in 52 Steckbriefen die Insekten kennen, die Ihnen im Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften über den Weg fliegen werden!

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis (Fabricius 1798))

  • Hohlraumnistende Wildbienenart, die Nisthilfen annimmt
  • Flugzeit: Mitte April bis Mitte Juni
  • Nahrungsspektrum: Oligolektisch (Pollenspezialist)
  • Charakteristisch: Die einzige europäische hohlraumnistende Bienenarten, die ihr Nest nicht mit Zwischenwänden in Brutzellen aufteilt.

Aussehen: Die 8-11mm große Schöterich-Mauerbiene ist in der freien Natur nicht leicht anzusprechen. Die blau schillernden Weibchen haben eine rostrote Bauchbürste und sind auf Kreuzblütlern anzutreffen. Die Männchen sind ohne ein Binokular kaum von anderen Mauerbienen zu unterscheiden.

Lebensraum und Nestbau: Als Niströhren dienen (neben Nisthilfen) Fraßgänge in Totholz. Deshalb trifft man die Art gern in alten Streuobstbeständen an. Das Weibchen legt acht bis 23 Eier in eine mit Pollen gefüllte Niströhre und verschließt diese mit Lehm.

Nahrungsquellen zur Versorgung der Larven: Die Art ist auf Kreuzblütler spezialisiert, sie nutzt z.B. Ackersenf (Sinapis arvensis) oder Schöterich-Arten (Erysimum spec).

Vorkommen: Die Schöterich-Mauerbiene kommt überall in Deutschland vor, ist aber insgesamt selten. Sie ist in der roten Liste in die Kategorie G eingeordnet (Gefährdung mit unbekanntem Ausmaß).

Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis (Linnaeus 1758))

Osmia bicornis auf einem Weißen Immergrün (Vinca minor alba). (© Niels Hellwig)
  • Hohlraumnistende Wildbienenart, die Nisthilfen annimmt
  • Flugzeit: Anfang April bis Mitte Juni
  • Nahrungsspektrum: polylektisch (Pollengeneralist)
  • Charakteristisch: Unter den Mauerbienen die Art mit der flexibelsten Nistplatzwahl

Aussehen: Wie der Name verrät, ist die 8-13 mm große Rostrote Mauerbiene überwiegend rostrot behaart. Zwei vorstehende Hörnchen auf dem Kopfschild der Weibchen machen sie im Feld nahezu unverwechselbar.

Lebensraum und Nestbau: Ob dicke Brombeerranken, Käferfraßgänge in Totholz, Ritzen in Fensterrahmen, Türschlösser oder Gummischläuche – die Vielfalt an Hohlräumen, in denen die Rostrote Mauerbiene ihr Nest anlegt, ist beachtlich. Das Ende der Niströhre verschließt sie wie die meisten Mauerbienenarten mit Lehm.

Nahrungsquellen zur Versorgung der Larven: Neunzehn Pflanzenfamilien sind als Pollenquellen für die Verproviantierung der Larven bekannt, darunter Rosengewächse wie Heckenrose (Rosa canina) und Garten-Apfel (Malus domestica) oder Hülsenfrüchtler wie Weiß-Klee (Trifolium repens) und Zaunwicke (Vicia sepium).

Vorkommen in Deutschland: In Deutschland ist die Rostrote Mauerbiene zusammen mit der Gehörnten Mauerbiene die häufigste Mauerbienenart. Die ersten Individuen im Jahr fliegen, wenn die gehörnte Mauerbiene schon aktiv ihre Nester baut.

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta (Latreille 1805))

Osmia cornuta (Weibchen) auf einer Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum). (© Heike Kappes)
  • Hohlraumnistende Wildbienenart, die Nisthilfen annimmt
  • Flugzeit: Mitte März bis Anfang Mai
  • Nahrungsspektrum: polylektisch (Pollengeneralist)
  • Charakteristisch: Gehört zu den ersten Blütenbesuchern im Jahr

Aussehen: Die schwarz-rot behaarte Gehörnte Mauerbiene gehört zu den ersten Blütenbesuchern im Jahr. Aufgrund ihrer auffälligen Größe von 12-16 mm ist sie von der gleich gefärbten, aber deutlich kleineren, Osmia bicolor zu unterscheiden. Die Weibchen tragen am Kopfschild zwei – namensgebende – Hörner.

Lebensraum und Nestbau: Da die Gehörnte Mauerbiene früh im Jahr aktiv ist, findet sie Nahrung für sich und ihre Larven überwiegend in Siedlungen: Veilchen, Hyazinthen, Primeln und andere Frühblüher stellen ein reiches Angebot an Nektar und Pollen dar. Hier findet sie auch Nistplätze, z.B. in Mauerritzen, oder auch in sonnenexponierten Löß- und Lehmwänden. Ihre Niströhre verschließt die Gehörnte Mauerbiene wie die meisten Mauerbienen mit Lehm oder feuchter Erde.

Nahrungsquellen zur Versorgung der Larven: Die Gehörnte Mauerbiene nutzt eine Vielzahl an Pflanzenfamilien, darunter Korbblütler wie Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale), Rosengewächse wie Kirschpflaume (Prunus cerasifera) oder Salicaceae wie Sal-Weide (Salix caprea).

Vorkommen in Deutschland: Die Gehörnte Mauerbiene ist in ganz Deutschland verbreitet und häufig.

 

Welche Insekten fliegen Ihnen im Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften über den Weg?

Hohlraumnistende Wildbienenarten, die Nisthilfen annehmen: Etwa 580 Wildbienenarten sind zur Zeit in Deutschland heimisch. Die meisten von ihnen leben nicht etwa wie die Honigbiene als Staat, sondern solitär: Jedes Weibchen legt ein eigenes Nest an. Etwa ein Drittel baut oberirdische Nester und von 35 dieser Arten ist bekannt, dass sie künstliche Nisthilfen annehmen.

Typischer Weise legt ein Weibchen ein Nest mit mehreren Brutzellen an. Es baut diese hintereinander in Pflanzenstängeln, Lehmwänden oder Käferfraßgängen in Totholz, indem sie die Innenwände mit Pflanzenresten, Lehm oder Harz verkleidet. In jede Zelle legt sie ein Ei sowie eine Mischung aus Pollen und Nektar als Proviant für die Larve. Die erwachsenen Tiere ernähren sich überwiegend von Nektar.

Ihre Gegenspieler: Einige Wildbienen-Arten verfolgen eine andere Strategie: Die sogenannten Kuckucksbienen legen ihre Eier in die Nester anderer Arten. Dort fressen sie sowohl den Larvenproviant als auch die Larve selbst. Sie sind aber nicht die einzigen Gegenspieler hohlraumnistender Wildbienen. Auch Vertreter anderer Artengruppen, z.B. die bunt schillernden Goldwespen (Chrysididae), Schlupfwespen oder auch Fliegen gehören dazu.

Die neun gut im Feld anzusprechenden Hummelarten: Hummeln gehören ebenfalls zu den Wildbienen. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Verwandten leben sie als Staat.

Andere Insekten, die ihre Nester in Nisthilfen anlegen: Dazu gehören die Grabwespen (Spheciformes), solitäre Faltenwespen (Eumeninae) und Wegwespen (Pompilidae).


Quellen

www.wildbienen.info 

http://www.wildbienen.de 

Amiet, F. und Krebs, A.: Bienen Mitteleuropas – Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Haupt Verlag, 3. Auflage, 2019, 423 Seiten.

Die Wildbienen Deutschlands, Paul Westrich, 2018, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 824 Seiten, ISBN 978-3-8186-0656-5 (PDF)