Nisthilfe-Patenschaft bundesweit möglich

In neun Bundesländern betreuen Ehrenamtliche derzeit die MonViA-Nisthilfen (Stand 12.5.21). (© Datenquelle: ATIKS, Bearbeitung: Thuenen-Institut für Biodiversität)

Von 2019 bis 2023 läuft die Pilot-Phase des Wildbienen-Monitorings in Agrarlandschaften. In dieser Zeit entwickeln und testen wir Methoden, mit denen zukünftig langfristig und bundesweit einheitlich der Zustand von Wildbienen-Populationen in Agrarlanschaften beobachtet werden soll.

Eines unserer Ziele in dieser Phase ist es, eine standardisierte, bestandsschonende Nisthilfe für hohlraumnistende Wildbienen als Methode für die Langzeiterhebung zu etablieren. In Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen soll sie es ermöglichen, den 40 hohlraumnistenden Wildbienenarten, die in den vielseitigen Agrarlandschaften im ganzen Bundesgebiet vorkommen, übergangsweise ein Zuhause anzubieten. Durch die jährliche Auswertung der Besiedlung unserer Nisthilfen erfahren wir, welche Arten wo vorkommen und wie sich ihre Bestände über die Jahre entwickeln.

2020 haben wir den Prototyp mit der Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher in Sachsen-Anhalt entwickelt. Aufgrund vieler Interessensbekundungen auch aus anderen Regionen konnten wir 2021 die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen auf ganz Deutschland ausweiten. Wir freuen uns riesig über Ihr großes Interesse! Denn: Je mehr MonViA-Nisthilfen in den Agrarlandschaften stehen desto mehr Daten können wir auswerten - und desto präziser wird am Ende unser Verständnis der Wildbienen-Vorkommen.

Wenn Sie ab 2022 eine Nisthilfe-Patenschaft übernehmen möchten und so Daten für die Testphase eines bundesweiten Wildbienen-Monitorings in Agrarlandschaften erheben möchten, schreiben Sie uns bitte an nisthilfe@thuenen.de.


Aufgaben während einer Nisthilfe-Patenschaft

Die standardisierte, 25-stöckige MonViA-Nisthilfe erlaubt eine bestandsschonende Erfassung hohlraumnistender Wildbienen. (© Lara Lindermann)

Nisthilfe-Pat*innen dokumentieren einmal monatlich von April bis September anhand von Fotos den Bruterfolg in ihrer Nisthilfe. Die vom Wildbienen-Team standardisierte Nisthilfe besteht aus übereinandergeschraubten Brettchen, in die Niströhren eingefräst sind. Einmal aufgeschraubt ermöglicht dieser Prototyp es, die Niströhren und alles, was sich darin befindet, von oben zu betrachten: den eingetragenen Pollenvorrat, die Kokons oder Larven, die Trennwände zwischen den Brutzellen der verschiedenen Wildbienen und Wespenarten. So ist eine Bestimmung auf Gattungs- und zum Teil sogar Artniveau möglich, ohne die Tiere dafür töten zu müssen. Die Brut wird dabei nicht geschädigt, denn jedes Nisthilfe-Brettchen ist mit einer schützenden Folie beklebt. Eine Studie darüber, ob das Aufschrauben der Nisthilfe Einfluss auf die Wildbienen hat, führen wir 2021 durch. 

Unsere standardisierte MonViA-Nisthilfe wird von der Firma Alpenbiene produziert. Da uns ein begrenztes Budget zur Verfügung steht, müssen wir Interessierte bitten, die MonViA-Nisthilfe selbst zu erwerben.

Für alle Nisthilfe-Pat*innen die lernen möchten, welche Wildbienen und andere Insekten ihre Nisthilfe bewohnen, bieten wir Bestimmungskurse an.


Nisthilfe-Patenschaft Schritt für Schritt erklärt

Ein Blick von oben auf ein Nisthilfe-Brettchen verrät, welche Arten oder Artengruppen die MonViA-Nisthilfe bewohnen. Hier zu sehen sind die Niströhren von Scherenbienen (Chelostoma spp.), Löcherbienen (Heriades spp.) und Grabwespen (Trypoxyon spp.). (© Lara Lindermann)

1. Wenden Sie sich mit einem Standort-Vorschlag für Ihre Nisthilfe per mail an nisthilfe@thuenen.de an das Wildbienen-Team des Thuenen-Instituts für Biodiversität. Gemeinsam legen wir den konkreten Standort fest.

2. Erwerben Sie eine MonViA-Nisthilfe bei der Firma Alpenbiene.

3. Registrieren Sie in unserem Registrierungs-Portal Ihre Nisthilfe mit der ID, die auf der an Sie gelieferten Nisthilfe steht.

4. Bügeln Sie die Schutzfolien auf die Nisthilfe-Brettchen.

5. Stellen Sie die zusammengeschraubte Nisthilfe auf.

6. Fotografieren Sie zwischen April und September jeweils in den letzten 10 Tagen eines Monats die 25 Nisthilfe-Brettchen und laden Sie die 25 Fotos anschließend in unser Foto-Portal.

7. Die Nisthilfen bleiben den Winter über in der Landschaft stehen. Erst wenn die herangewachsenen Wildbienen im Frühjahr des Folgejahres schlüpfen, leeren Sie die organischen Reste Ihrer Nisthilfe (Kot, verbliebenes Nistmaterial etc.) aus und senden Sie sie dem Wildbienen-Team. Wir brauchen sie, um die darin enthaltene DNA (Umwelt-DNA) zu analysieren.