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Die Wildbienen-Saison 2022: Wir blicken zurück

Die Wildbienen-Saison 2022, in der unsere Ehrenamtlichen in den beiden Citizen Science-Projekten fleißig Daten gesammelt haben, ist beendet. Das nehmen wir zum Anlass für einen ersten Rückblick.

Was bisher geschah:

2022 sind wir mit dem Wildbienen-Monitoring in das zweite Jahr der testweisen Umsetzung gestartet. Dieses Jahr ging es vor allem darum, die Methoden weiterzuentwickeln, neue Ansätze auszuprobieren und die Citizen Science-Projekte auszubauen. Dazu gehört auch, die Stichprobenkulisse, das heißt die Flächen, die wir für das Nisthilfe-Monitoring und die Hummelerfassung festgelegt haben, zu testen.

Nisthilfe-Monitoring: Der aktuelle Stand

Ehrenamtliche haben in dieser Saison auf 50 Untersuchungsflächen (LUCAS-Flächen) Nisthilfen betreut und damit einen Grundstein für ein standardisiertes und langfristiges Wildbienen-Monitoring gelegt. Damit sind wir jetzt nach zwei Jahren schon in allen Flächenbundesländern mit dem Monitoring aktiv. Wir freuen uns riesig, wie gut die Zusammenarbeit geklappt hat und sind gespannt auf die Ergebnisse der Auswertung.

Highlights der Saison

2022 konnten wir zwei Wespenarten zum ersten Mal in unseren Monitoring-Nisthilfen nachweisen: Eine Art der Gattung Discoelius und Isodontia mexicana, der Stahlblaue Grillenjäger. Letztere Art ist besonders spannend, weil sie sich nach und nach bedingt durch das wärmer werdende Klima in Deutschland ausbreitet. Dieses Jahr konnten wir sie gleich in zwei Nisthilfen in Rheinland-Pfalz und Brandenburg nachweisen.

Auswertung und individuelle Rückmeldungen

Für das Wildbienen-Team am Thünen-Institut geht es jetzt an die Auswertung der ca. 63.000 Fotos, die wir insgesamt erwarten. Sobald die Ergebnisse da sind, bekommen die Ehrenamtlichen als erste eine individuelle Rückmeldung zu den Nisthilfen, die sie betreut haben.

Ehrenamtliche auf Hummel-Suche

Auch über den Fortschritt im Citizen Science-Projekt zur systematischen Erfassung von Hummeln freuen wir uns sehr. 19 Ehrenamtliche, von Einsteiger*innen bis zu Expert*innen, haben auf 13 bundesweit verteilten Flächen Hummeln erfasst. Insgesamt haben sie 238 Individuen gefangen – und natürlich wieder frei gelassen. Davon sind bisher ca. 200 auf Art- bzw. Aggregat-Niveau bestimmt.

Hummel-Monitoring 2023: Anmeldung für die nächste Saison offen

Die Planungen für das Hummel-Monitoring 2023 sind in vollem Gange. Wer Lust hat, in der kommenden Saison ehrenamtlich Hummeln zu erfassen, kann sich über unsere neue Anmeldemaske ganz einfach registrieren. Die Anmeldung ist möglich bis 10. Januar 2023.

Ausblick: So geht es weiter

Ausflugvorrichtung für Nisthilfen

Wir arbeiten weiter an der Optimierung der Ausflugvorrichtung für unsere Nisthilfen. Sie sollen den geschlüpften Nisthilfe-Bewohnern das Ausfliegen ermöglichen und gleichzeitig verhindern, dass von außen Tiere (wieder) hineinkommen. Momentan beschäftigen wir uns vor allem mit der Umsetzung des 3D-Drucks und den konzeptionellen Feinheiten des Ausfluglochs. In den bisherigen Tests mit Prototypen im Feld hat sich die Witterungsbeständigkeit bereits bewährt. Außerdem konnten wir feststellen, dass der Aufsatz nicht das Mikroklima in der Nisthilfe verändert – eine Grundvoraussetzung für die Nutzung der Ausflugvorrichtungen im Monitoring.

Die Ausflugvorrichtungen werden zu Beginn des nächsten Jahres an die Ehrenamtlichen verschickt, die bereits im Vorjahr und dieses Jahr eine Nisthilfe betreut haben.

Umwelt-DNA: Was verrät sie über die Nisthilfe-Bewohner?

Im Spätsommer steht die Entnahme der Umwelt-DNA (eDNA) aus den Nisthilfen an, die bereits zwei Saisons lang aufgestellt waren. Die Ehrenamtlichen können die organischen Reste (Reste des Nistmaterials und des für die Larven eingetragenen Futtervorrats, Kot u.a.) mithilfe eines DNA-Kits selbst entnehmen. Wir werten die Proben im Labor aus. Die eDNA kann uns ergänzend zur Bestimmung anhand der Fotos verraten, welche Tiere sich in der Nisthilfe aufgehalten haben.

Der Vorteil der DNA-basierten Erfassungsmethode: Während auf Grundlage der Fotos häufig nur eine Bestimmung der Gattung möglich ist, ermöglicht die Analyse der Umwelt-DNA vielfach eine Bestimmung auf Artebene. Auch diese Methode befindet sich innerhalb des Wildbienen-Monitorings in der Testphase und ist – wie das gesamte Nisthilfe-Monitoring – tötungsfrei. 

Ergebnisse loading: Was derweil am Thünen-Institut passiert 

Die beiden Citizen Science-Projekte sind Bausteine eines größeren Monitoring-Projektes, mit dem Wildbienen in Agrarlandschaften bundesweit einheitlich erfasst werden sollen. Dafür testen wir ganz unterschiedliche Ansätze und Methoden. Wir, das heißt das Wildbienen-Team am Thünen-Institut, sind mittlerweile mehr als zwanzig Wissenschaftler*innen, Technische Assistent*innen und Hiwis. Wir arbeiten unter anderem gerade an einem weiteren Baustein, in dem wir alle Wildbienenarten, also das Gesamtartenspektrum, erfassen wollen. Dabei werden wir mit Expert*innen für die Wildbienenbestimmung, sogenannten Gutachterbüros, zusammenarbeiten. Außerdem testen wir unter anderem Ansätze zur Bewertung von Umweltschutzmaßnahmen und experimentieren weiter mit verschiedenen Methoden: Wie lassen sich zum Beispiel verschiedene Wildbienen am Geräusch unterscheiden? Und wie schafft man es, einer Hummel das „Pollenhöschen“ auszuziehen?  

Wir freuen uns darauf, Einblicke in die Forschung, neue Erkenntnisse und Auswertungsergebnisse mit Ihnen zu teilen – und schon jetzt sind wir gespannt auf die Saison 2023 und freuen uns vor allem über neue Ehrenamtliche, die beim Hummel-Monitoring mitmachen möchten.

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