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Jahresbericht 2025

Der Jahresbericht für 2025 wird fortlaufend aktualisiert. Die Fertigstellung erfolgt nach Abschluss aller Auswertungen voraussichtlich in der ersten Hälfte 2026. Weitere Auswertungen der Monitoring-Daten erfolgen in Form von wissenschaftlichen Publikationen, die wir nach der Veröffentlichung im Bereich Publikationen verlinken.

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Nisthilfe-Patenschafen 2021-2024

Im Zeitraum von 2021 bis 2024 wurde mit engagierter Unterstützung von über 200 Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland der Zustand hohlraumnistender Wildbienen sowie ihrer Gegenspieler in deutschen Agrarlandschaften untersucht. Grundlage der Erhebung bildeten mehr als 400 ausgebrachte Nisthilfen, die eine umfassende und belastbare Datenerfassung ermöglichten.

Im Jahr 2025 konnte das Modul erfolgreich abgeschlossen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden sowohl in die Politikberatung als auch in wissenschaftliche Publikationen einfließen. Darüber hinaus werden sie in einem Abschlussbericht zusammengefasst, dessen Veröffentlichung für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 vorgesehen ist.

Zustand hohlraumnistender Wildbienen

Die ersten Auswertungen der in den Jahren 2022 bis 2024 gewonnenen Daten sind Anfang 2026 in die im Rahmen von MonViA zu berichtenden Indikatoren eingeflossen. Eine Übersicht der berichteten Indikatoren findet sich auf der Website des Agrarmonitorings MonViA.

Die Berechnung der Indikatoren für eine erste Einschätzung des Zustands hohlraumnistender Wildbienen in Agrarlandschaften basiert auf den Nisthilfen, die im Zeitraum von 2022 bis 2024 aufgestellt wurden. Die Daten aus den Pilotjahren 2020 und 2021 wurden entweder bereits in einer Publikation in Citizen Science: Theory and Practice veröffentlicht oder fließen in weitere Untersuchungen ein.

Der Zustand hohlraumnistender Wildbienen wurde anhand verschiedener Indikatoren beschrieben. Dazu zählen unter anderem der Artenreichtum – also die mittlere Anzahl an Arten, die an einem Untersuchungsstandort nachgewiesen werden konnten – sowie der Anteil gefährdeter Arten gemäß der Roten Liste Deutschlands. Beide Kenngrößen wurden sowohl fototaxonomisch als auch auf Basis von eDNA-Erhebungen bestimmt. Im Folgenden werden jedoch ausschließlich die Ergebnisse der fototaxonomischen Auswertungen dargestellt.

Artenreichtum

Im Mittel konnten pro Untersuchungsfläche im Zeitraum 2022-2024 7,3 Wildbienentaxa fototaxonomisch (basierend auf Bildern von angelegten Zellen, Larven und Kokons) erfasst werden.

Gefährdete Arten

Unter den nachgewiesenen Taxa waren auch drei Arten, die nach der Roten Liste Deutschlands als gefährdet eingestuft sind (Kategorien 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, G = Gefährdung unbekannten Ausmaßes): Osmia brevicornis, Osmia submicans und Megachile ligniseca. Im Falle von Megachile ligniseca gelang der Nachweis nur über eDNA. Wie eDNA-Analysen im Rahmen der Nisthilfe-Patenschaften durchgeführt werden, wird auf der Seite „Der Weg der DNA-Probe“ näher erläutert.

Schimmernde Mauerbiene (Osmia submicans)

Verbreitung: nur südlich des nördlichen Mittelgebirgsrandes vorkommend (Fund auf der Untersuchungsfläche: Wunstorf / Steinhude liegt außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes; der Fund wird aber nach Prüfung als plausibel angesehen).

Flugzeit: Juni - September

Wissenswertes: Die Art scheint trockenwarme Lebensräume zu bevorzugen und legt ihre Brutzellen in Totholz sowie in Lehm- oder Steinwände. Bei der Pollensuche wurde sie bisher ausschließlich auf Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) beobachtet (Westrich, 2018).

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis)

Verbreitung: ganz Deutschland (die Art wurde an zahlreichen Untersuchungsstandortennachgewiesen).

Flugzeit: März/April bis Juni/Juli

Wissenswertes: oligolektische Mauerbiene sammelt bevorzugt an Schöterich (Erysium spp.) und anderen Kreuzblütlern (Brassicaceae). Ihre Brutzellen legt sie bevorzugt in Totholz, z.B. in Käferfraßgängen, an. Sie nimmt aber auch künstliche Nisthilfen an. Da ihre bevorzugten Nistplätze in der intensiven Agrarlandschaft selten geworden sind, ist diese Art im Rückgang und gilt mittlerweile als gefährdet (https://www.wildbienen.de/eb-obrev.htm)

Holz-Blattschneiderbiene (Megachile ligniseca)

Verbreitung: ganz Deutschland (Fund auf den Untersuchungsflächen Krummasel und Roitham).

Flugzeit: Juni - September

Wissenswertes: Kälteliebende, polylektische Blattschneiderbiene, die ihre Brutzellen im weichen, morschen Totholz, wie das von Weiden, legt. Auch ihr Rückgang ist, wie der von Osmia brevicornis, eher auf die reduzierte Verfügbarkeit geeigneter Nistplätze zurückzuführen als mangelnde Nahrungsressourcen(Westrich, 2018).

Methodologische Weiterentwicklungen

Die Voraussetzung für ein bundesweites, bestandsschonendes Monitoring hohlraumnistender Wildbienen ist die Entsiedlung der Nisthilfen im zweiten Jahr des Beprobungszyklus. Dadurch wird sichergestellt, dass Proben aus den Niströhren ohne Tötung oder Beeinträchtigung der Wildbienen entnommen werden können (z.B. während der eDNA-Beprobung). Zudem wird das Risiko verringert, dass durch das Aufstellen der Nisthilfen künstliche Populationen entstehen, die die Ergebnisse des Monitorings verfälschen könnten.

Gemeinsam mit den teilnehmenden Ehrenamtlichen wurden während des Monitorings verschiedene Varianten von Entsiedlungsvorrichtungen ausprobiert, vom Pinsel-Aufsatz bis hin zum vollständigen Öffnen der Nisthilfen.

Nach einer sorgfältigen Auswertung hat sich gezeigt, dass die bisherigen Ansätze leider nicht die gewünschten Ergebnisse erbracht haben. Die größte Herausforderung war die starke Nistplatztreue der Wildbienen: Sie kehren immer wieder an den Ort zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. Außerdem sind sie sehr anpassungsfähig und haben es geschafft, fast jedes Hindernis zu überwinden, welches wir ihnen in den Weg gestellt haben.

Am erfolgversprechendsten war bisher das Offenlegen der Nisthilfebrettchen an einem geschützten Ort. Zwar ist dieser Ansatz nicht überall umsetzbar, stellt aber bisher die erfolgreichste Entsiedlungsoption dar.

Entsiedlung der Nisthilfen mittels offenlegen der Brettchen

Das Entsiedlungsexperiment wurde von Februar bis September 2025 bundesweit von 10 Ehrenamtlichen durchgeführt. Die Nisthilfen wurden im Frühjahr 2025 von ihrer Untersuchungsfläche in der Agrarlandschaft entfernt und an einen nahegelegenen Entsiedlungsort überführt.

Überführten Nisthilfen wurden am Entsiedlungsort in ihre einzelnen Nisthilfen-Brettchen auseinander gebaut und an einen wettergeschützten Ort (Schuppen, Scheune, Stall, Terrasse etc.) mit Ausflugsmöglichkeit für die schlüpfenden Tiere verbracht (offene Fenster etc.). 

Nisthilfen-Brettchen wurden dabei auf einer ebenen Fläche waagerecht mit den Öffnungen nach oben ausgelegt. Unter Verwendung von Maschendrahtgitter oder ähnlichem wurden die ausgelegten Nisthilfen-Brettchen vor möglichen Fressfeinden geschützt (Vögel, Kleinsäuger etc.).

In den Monaten Februar, Mai und September erfolgte eine fotografische Dokumentation aller Nisthilfen-Brettchen, um Schlupf und Neubesiedlung im Jahresverlauf zu dokumentieren und auszuwerten. Außerdem wurden basierend auf anwesenden Nestern bzw. Entwicklungsformen (Larven, Kokons etc.) die Anwesenheit von Wildbienen- und Wespentaxa pro Nisthilfe erfasst.

In annähernd der Hälfte der Nisthilfen-Brettchen ist die vorhandene Bienen- und Wespenbrut geschlüpft ohne dass eine Wiederbesiedlung stattgefunden hätte (Kategorie „Schlupf / Keine Neubesiedlung). In etwas mehr als ein Drittel der ausgelegten Brettchen waren zwar Brutzellen vorhanden, aber es konnte kein Schlupf aber auch keine Wiederbesiedlung beobachtet werden (Kategorie „Kein Schlupf / Keine Neubesiedlung“). Eine Minderheit der Brettchen war schon zu Experimentbeginn leer und wurde anschließend auch nicht von Wildbienen und Wespen bezogen (Kategorie „Leer / Keine Neubesiedlung“). Nur ein einziges Mal konnte eine Wiederbesiedlung eines Nisthilfen-Brettchen erfasst werden.

Fazit: Das Auslegen der Brettchen verhindert die Wiederbesiedlung der Nisthilfen nahezu vollständig und ermöglicht deren Entsiedlung, sodass anschließend eDNA-Proben entnommen oder die entleerten Nisthilfen gereinigt und wieder aufgestellt werden können. Allerdings ist die Methode derzeit noch limitiert: Zum einen wird ein geschützter Ort für die Entsiedlung benötigt, was eine Anwendung im offenen Gelände erschwert. Zum anderen muss der Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Brut durch weitere Untersuchungen noch genauer getestet werden. Dennoch stellt diese Methode die zu diesem Zeitpunkt vielversprechendste Lösung für die Entsiedlung von Nisthilfen dar.

Weiterführende Forschung

Aufbauend auf den Nisthilfe-Patenschaften soll ab 2026 im Rahmen einer Doktorarbeit untersucht werden, welchen Umweltkontaminanten hohlraumnistende Wildbienenarten unter realen Anwendungsbedingungen ausgesetzt sind. Fast 40 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland unterstützen diese Forschungsarbeit. In Kombination mit Daten zur Landschaftsstruktur und Landnutzung werden diese Informationen dazu beitragen, die Veränderungen in Wildbienenpopulationen in den Agrarlandschaften besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um Strategien zu entwickeln die die Auswirkungen von Umweltbelastungen auf ihre Bestände langfristig zu minimieren.

Hummel-Monitoring 2025

Entwicklung des Hummel-Monitorings

Das Hummel-Monitoring ist 2021 mit einer kleinen Auswahl an Testflächen gestartet und wird seit 2022 mit einer standardisierten Methodik umgesetzt. Im Jahr 2025 konnte wieder ein deutlicher Zuwachs an Ehrenamtlichen verzeichnet werden, die sich beim Hummel-Monitoring engagieren und eine steigende Anzahl an Transekten betreuen. In 14 von 16 Bundesländern haben über ganz Deutschland verteilt insgesamt 112 Ehrenamtliche 77 Transekte betreut. Dabei kamen 472 Transekt-Begehungen zusammen, bei denen insgesamt mehr als 1800 Hummeln aus 15 verschiedenen Artengruppen erfasst werden konnten. Pro Transekt wurden über das Jahr durchschnittlich 18 Hummelindividuen aus drei bis vier verschiedenen Arten nachgewiesen, was in etwa dem Niveau der vergangenen Jahre entspricht. 

Artenzusammensetzung und Häufigkeit

Wie in den letzten Jahren haben vor allem drei Artengruppen die Beobachtungen dominiert: Ackerhummeln (Bombus pascuorum), Erdhummeln (Bombus sensu stricto) und Steinhummeln (Bombus lapidarius) machten zusammen etwas mehr als 75 % aller Funde aus. Aber auch die als gefährdet eingestuften Grashummeln (Bombus ruderarius) und Sandhummeln (Bombus veteranus) wurden erneut beobachtet. In den letzten Jahren gab es kaum Verschiebungen in den Anteilen der einzelnen Artengruppen an der Gesamtzahl aller erfasster Hummeln. Ebenso ist die durchschnittliche Anzahl an Hummeln pro Transekt-Begehung im Vergleich zu den letzten Jahren stabil geblieben. Ein Update der Indikatoren, die aus den Daten des Hummel-Monitorings abgeleitet werden, ist auf der Website des Monitorings der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften erschienen. Aufgrund der begrenzten Zeitreihe lassen sich noch keine langfristigen Trends ableiten.

Von Hummeln genutzte Nahrungspflanzen

Zu einem Großteil der beobachteten Hummeln wurde 2025 auch die jeweils genutzte Nahrungspflanze erfasst. Die 1495 Meldungen zur Nahrungspflanze umfassen 93 Pflanzengattungen. Insgesamt konnten dabei 269 verschiedene Kombinationen für die Interaktion zwischen Hummelart und (Wild-)Pflanze gemeldet werden. Zu den Gattungen, die am häufigsten genutzt wurden, zählen Natternköpfe (Echium), Klee (Trifolium), Taubnesseln (Lamium), Brombeeren (Rubus) und Wicken (Vicia). 

Hummel-Challenge 2025

2025 Jahr fand die Hummel-Challenge zum zweiten Mal in Kooperation mit dem BUND Bayern in zwei Zeiträumen statt: der Frühling-Challenge und der Sommer-Challenge. Dabei kamen bundesweit über 46.000 Meldungen von Hummeln zusammen. Zu den häufigsten Arten zählten hier Erdhummeln, Ackerhummeln, Gartenhummeln und Steinhummeln. Die Ergebnisse der Hummel-Challenge 2025 sind hier detailliert dargestellt.

Ehrenamtliche 2025

Wir haben Ehrenamtliche des Hummel-Monitorings 2025 gefragt und 37 haben uns geantwortet.

Forum Wildbienen-Monitoring: Ehrenamt trifft Wissenschaft

Das Wildbienen-Team des Thünen-Instituts hat seine Ehrenamtlichen zum Forum Wildbienen-Monitoring eingeladen. Aus ganz Deutschland kamen am 17. und 18. Oktober Ehrenamtliche des Citizen Science-Projekts „Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften“ am Thünen-Institut in Braunschweig zusammen. Während des persönlichen Zusammentreffens blickten Ehrenamtliche und das Wildbienen-Team gemeinsam auf fünf Jahre Wildbienen-Monitoring zurück und tauschten sich über ihre Erfahrungen während der Arbeit mit Wildbienen aus. Die Ehrenamtlichen erhielten vor Ort einen Einblick hinter die Kulissen der Forschung, es wurden erste Projekterfolge vorgestellt und mehrere Vorträge und Workshops zum Thema Wildbienen fanden statt.

Veranstaltungen & Vorträge 2025

Veranstaltungen

Das Wildbienen-Team vertreten  auf der 54. Jahrestagung der GfÖ

Die Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) ist die größte internationale Fachkonferenz mit Schwerpunkt auf Ökologie im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr stand sie unter dem Leitthema „Ökologische Systeme unter Druck: Herausforderungen und Lösungen“. Das Wildbienen-Team war mit mehreren Beiträgen vertreten: Präsentiert wurden aktuelle Ergebnisse aus dem Hummel-Monitoring sowie der Hummel-Challenge. Zudem wurden im Modul Nisthilfen vorläufige Ergebnisse zu den Entsiedlungsvorrichtungen vorgestellt. Zahlreiche spannende Vorträge und Poster von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Europa (und darüber hinaus) sorgten für neue Impulse und regten zu intensiven Diskussionen an.

Vortragsthema: "Nationwide Bumblebee Monitoring in Agricultural Landscapes in Germany: Insights into Population Trends, Phenological Patterns and Floral Resource Use"

Postertitel: "The Bumblebee Challenge: A Potential Treasure Trove of Bumblebee-Plant Interaction Data in Germany"

Postertitel: "Towards a One-Way Exit for Cavity-Nesting Hymenoptera in Nesting Observation Blocks: Prototypes and Challenges"

Vorträge

  • Hummel-Monitoring in Deutschland - Dürens Beitrag zu nationalen Daten, Vortrags- & Diskussionreihe NABU Düren, Düren
  • Bürger*innen auf Bestäubersuche – was die Hummel-Challenge über unsere Agrarlandschaft verrät
  • DNA-basierte Biodiversitätserfassung im Wildbienen-Monitoring, Themenfeldtreffen 2025 Biologische Vielfalt, Braunschweig
  • Titel: Bürger*innen beobachten Biodiversität - Einblicke in das MonViA Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschafen, NMZB-Vortragsreihe, Online
  • Wildbienen-Monitoring in deutschen Agrarlandschaften: Citizen Science als Beitrag zur Biodiversitätsforschung
  • Bumblebee Monitoring in Agricultural Landscapes in Germany, International Workshop on European Bumblebee Monitoring Programs, Online
  • Bestäuber-Monitoring in der Agrarlandschaft, 4. Naturschutzsymposium Wiederherstellung der Natur, Güstrow
  • Mit Stripper und Rucksack: Wildbienen zählen in Agrarlandschaften, phaeno Science Talk, Wolfsburg
  • Hummeln als heimliche Helfer - wie sie die Vielfalt in der Natur und auf unseren Tellern bewahren, Vortragsreihe der Biologischen Station Düren, Düren

Publikationen 2025

Bishop GA, Kleijn D, Albrecht M, Bartomeus I, Isaacs R, Kremen C, Magrach A, Ponisio LC, Potts SG, Scheper J, Smith HG, Tscharntke T, Albrecht J, Åström J, Badenhausser I, Baldi A, Basu P, Berggren Å, Beyer N, Kirsch F, et al (2025) Critical habitat thresholds for effective pollinator conservation in agricultural landscapes. Science 389(6767):1314-1319. Link

Baden-Böhm F, Hellwig N, Dauber J, Thiele J (2025) Efficiency of flower strips for bumblebee colonies depends on nesting habitat and interactions with semi-natural habitats and mass-flowering crops. Landscape Ecology 40, 123. Link 

Lanuza JB, Knight TM, Montes-Perez N, Glenny W, Acuña P, Albrecht M, Artamendi M, Badenhausser I, Bennett JM, Biella P, Bommarco R, Cappellari A, Castro S, Clough Y, Colom P, Costa J, Cyrille N, Manincor N de, Dominguez-Lapido P, Rákosy D, et al (2025) EuPPollNet : a European database of plant-pollinator networks. Global Ecol Biogeogr 34(2):e70000. Link

Kasiske T, Klimek S, Dauber J, Harpke A, Kühn E, Levers C, Schwieder M, Settele J, Sietz D, Tetteh GO, Musche M (2025) Identifying typical patterns of land-use and landscape structure in citizen science butterfly monitoring. Ecol Indic 180:114317. Link

Kirsch F, Hass A, Alfert T, Westphal C (2025) Landscape diversity, habitat connectivity, age and size determine the conservation value of limestone quarries for diverse wild bee communities. J Appl Ecol 62(1):64-79. Link

Costache C, Rákosy L, Rákosy D (2025) Long-term phenological shifts in butterfly species from Transylvania, Romania - a case study. Insects 16(10):1071. Link

Kirsch F (2025) Mathieu Lihoreau: What do bees think about? Community Ecol 26(3):737. Link

Walther F, Hofmann M, Rákosy D, Plos C, Deilmann TJ, Lenk A, Römermann C, Harpole WS, Hornick T, Dunker S (2025) Multispectral imaging flow cytometry for spatio-temporal pollen trait variation measurements of insect-pollinated plants. Cytometry A 107(5):293-308. Link

Gornall L, Dauber J, Sickel W (2025) Population delimitation in bumble bees - strategies and research gaps. Front Bee Sci 3:1507903. Link

Ferrante M, Kirsch F, Westphal C (2025) Stable pollinator communities in different white clover populations suggest potential win-win scenarios for crop yield and biodiversity. Agric Ecosyst Environ 378:109295. Link

App M, Hellwig N, Schneider-Hohenbrink A-K, Burmeister J, Schröder B, Thiele J (2025) SyrFitSources : an agent-based model to investigate the effects of land use on the population dynamics of aphidophagous hoverflies. Ecol Model 507:111098. Link

Mupepele A-C, Hellwig N, Dieker P, Klein A-M (2025) What evidence exists on wild-bee trends in Germany? A systematic map. Environmental Evidence 14, 11. Link 

Einblicke in die Forschung - Abschlussarbeiten

Bachelorarbeiten

Erfassung und Beschreibung der Vielfalt hohlraumnistender Wildbienen in deutschen Agrarlandschaften mittels Umwelt-DNA-Metabarcoding

Manja Riniewitz

In Deutschland lässt sich ein Rückgang der Insektenbiomasse beobachten. Damit gehen der Rückgang der biologischen Vielfalt sowie der Bestäubungsleistung durch Insekten einher, auf die besonders die Landwirtschaft angewiesen ist. Das Verbundvorhaben "Bundesweites Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften" (MonViA) entwickelte ein Indikatoren-Set, welches eine Beurteilung des aktuellen Zustandes der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften ermöglichen und die Wirksamkeit von agrarpolitischen Maßnahmen evaluieren soll.

Aus dem Vorhaben entstand das Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften, in dem 2022, erstmals unter Mithilfe von Ehrenamtlichen, modulare Nisthilfen zur Erfassung von hohlraumnistenden Wildbienen zum Einsatz kamen. Neben der taxonomischen Klassifizierung durch Fotografien der Nisthilfe-besiedelnden Wildbienen, wurden die Nistrückstände nach Ende der Brutperiode aus den Nisthilfen entfernt und mittels Umwelt-DNA-Metabarcoding untersucht. Für die Untersuchung wurde die DNA aus dem Material extrahiert und nach einer Vervielfältigung mittels Hochdurchsatzsequenzierung zu hoch qualitativen Daten verarbeitet. Als Markergen-Sequenz wurde hierbei das CO1-Genfragment verwendet. Die daraus resultierenden Daten wurden mithilfe bioinformatischer Werkzeuge in einer Metabarcoding-Pipeline prozessiert und anschließend auf die MonViA-Indikatoren angewendet. Auf den Ebenen der taxonomischen Grade wurden die Ergebnisse zwischen den Standorten verglichen. Daraus ergaben sich Kenntnisse über die Anzahl der Arten und deren Zusammensetzung. Zur Verifizierung der Probenahme durch Ehrenamtliche, fand ein Vergleich zwischen den Metabarcoding-Daten und Fotografien der Brutzellen, sowie Daten aus Vorstudien statt.

Die Ergebnisse der Vergleiche indizierten, dass eine Variation nachgewiesener Arten nicht auf eine fehlerhafte Probenahme zurückzuführen ist und somit valide Ergebnisse erzeugt werden konnten. Aus der Bestimmung des Subindikators Anteil gefährdeter Rote-Liste-Arten gingen vier Arten hervor, von denen eine Art an nahezu jedem Standort vorkam (Ein Standort als Ausnahme). Im Gesamtbild machten die gefährdeten Arten bis zu 50 % der nachgewiesenen Spezies aus.

Eignung und Standardisierbarkeit blütenorientierter Erfassungsmethoden zur Ermittlung der Abundanz, Diversität und Artengemeinschaft von Bestäuberinsekten

Eva Klocke

Weltweit wird ein Insektenrückgang beobachtet, von dem auch Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen betroffen sind. Da auch viele Nutzpflanzen in ihrer Reproduktion auf Interaktionen mit bestäubenden Insekten angewiesen sind, könnte unter anderem eine Beeinträchtigung der menschlichen Ernährung die Folge sein. Um Veränderungen in Bestäuberpopulationen rechtzeitig zu erfassen und zu überprüfen, ob Schutzmaßnahmen für Bestäuber Wirkung zeigen, braucht es umfassende Monitoring-Programme auf Basis standardisierter und vergleichbarer Erfassungsmethoden. Verschiedene Erfassungsmethoden existieren bereits, allerdings ist eine Standardisierung nicht immer gegeben, und/oder es besteht kein Konsens darüber, welche Methoden sich am besten für die Erfassung eignen.

Im Rahmen einer Pilotstudie wurden zwischen dem 07.06. und dem 09.07.2024 verschiedene blütenorientierte Erfassungsmethoden an mehreren Untersuchungsstandorten auf dem Gelände des Thünen-Instituts getestet und verglichen. Als Zielorganismen konzentrierte man sich dabei auf Bienen und Schwebfliegen. Die Erfassung erfolgte mittels linearer Transekte, freier Beobachtungsbegehungen, Plot-Beobachtungen und Farbschalen unter Erfassung der Vegetation. Im Falle der linearen Transekte, Beobachtungsbegehungen und Plot-Beobachtungen wurden auch Blütenbesuche der erfassten Insekten dokumentiert. Erfasste Tiere wurden auf Gattungsebene bestimmt. Mithilfe von Hill Numbers für die Erfassung der Diversität, Bray-Curtis- und Jaccard-Unähnlichkeiten, dem Sørensen-Index für Betadiversität sowie verschiedener Network-Level-Metrics wurde untersucht, wie sich die Methoden hinsichtlich des Reichtums, der Diversität und der Zusammensetzung der erfassten Gemeinschaften unterschieden. Interaktionsnetzwerke zwischen Pflanzen und Insekten lieferten zusätzlich einen Eindruck der durch die Bestäuber genutzten Ressourcen.

Die Vergleiche der Hill Numbers und Network-Level-Metrics zeigten wenig bis keine signifikanten Unterschiede für die einzelnen Methoden. Aus den Bray-Curtis- und Jaccard-Unähnlichkeiten wurde deutlich, dass die Zusammensetzung der erfassten Bienen- und Schwebfliegengemeinschaften sich sehr ähnelte. Laut der Betadiversitätsanalyse waren leichte Unterschiede in der Zusammensetzung allerdings vorhanden, die sich überwiegend darin begründeten, dass die verschiedenen Methoden unterschiedliche Anteile der vorhandenen Bestäubergemeinschaft erfassten. Als wichtige Nahrungsressourcen auf dem Thünen-Campus stellten sich die Pflanzenarten Hypericum perforatum, Leucanthemum vulgare, Crepis biennis und Jacobaea vulgaris heraus.

Insgesamt zeigte sich keine der untersuchten Erfassungsmethoden als über- oder unterlegen. Für das Untersuchungsgebiet Thünen-Campus wurde gezeigt, dass alle angewendeten Methoden ähnlich geeignet sind, um Bestäuber zu erfassen. Allerdings bieten blütenorientierte Methoden einen höheren Informationsgehalt als Farbschalen durch die Möglichkeit zur Erfassung von Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen. Ob diese Ergebnisse auch über das Untersuchungsgebiet hinaus gelten und bei Analysen auf Artniveau bestehen bleiben, ist unklar und sollte in weiterführenden Untersuchungen überprüft werden.

Masterarbeit

Das Vorkommen der oligolektischen Wildbienenart Colletes hederae entlang eines Stadt-Land-Gradienten: Eine Fallstudie anhand der Städte Arnstadt, Weimar und Erfurt.

Lucy Kusenberg

Oligolektische Wildbienenarten sind hoch spezialisiert und nutzen ausschließlich bestimmte Pflanzenfamilien, -gattungen oder -arten als Pollenquelle. Diese Spezialisierung erleichtert Beobachtung und Feldbestimmung dieser Bienen während des Blütenbesuchs. Wildbienen sind von der sich ausbreitenden menschlichen Siedlungs- und Verkehrsfläche betroffen. Die Auswirkungen dieses Prozesses sind nicht eindeutig: Einerseits gilt der städtische Raum häufig als Refugium für Wildbienenarten, die in der umgebenden Agrarlandschaft selten geworden sind; andererseits scheinen einige Arten in urbanen Lebensräumen nicht gut zu gedeihen. Gerade bei oligolektischen Wildbienen lässt sich aufgrund ihrer Abhängigkeit von bestimmten Pollenpflanzen ein besonders starker Einfluss der Urbanisierung vermuten.

Die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) ist eine oligolektische Bienenart, die stark auf Efeu (Hedera helix) spezialisiert ist und in urbanen Kontexten angetroffen werden kann. Anhand dieser Modellart wurde im Herbst 2025 (07.09.–09.10.2025) untersucht, wie sich ihre Abundanz entlang eines Stadt-Land-Gradienten verändert. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, welche lokalen Variablen (Größe und Blütendeckung des Efeus, Anzahl potenziell konkurrierender Honigbienen Apis mellifera) und Landschaftsvariablen (Verfügbarkeit alternativer Nektarquellen in der Umgebung, Entfernung zum nächsten blühenden Efeubestand, die Grenzlängendichte und der Anteil an öffentlichen Grünanlagen in der Umgebung sowie der Landschaftstyp, d. h. Stadt- oder Agrarlandschaft) die Abundanz von Colletes hederae besonders gut erklären. Colletes hederae wurde mittels standardisierter Methoden (Pazellenbeobachtung, Kescherfang) in den Städten Arnstadt, Erfurt und Weimar in Thüringen erfasst. Die statistische Auswertung der gesammelten Daten erfolgte mittels eines generalisierten linearen gemischten Modells (GLMM), auf dessen Grundlage durch automatische Modellselektion mehrere Teilmodelle erstellt wurden (dredge). Die aussagekräftigsten Teilmodelle wurden gemittelt (model Averaging), um die wichtigsten erklärenden Variablen zu identifizieren.

Insgesamt wurden 46 Individuen von Colletes hederae in den drei Städten erfasst (29 in Arnstadt, 4 in Erfurt und 13 in Weimar). Die wichtigste Variable, die die Abundanz von Colletes hederae erklärte, war die Blütendeckung der Efeubestände. Es konnte weder ein Ausweichen noch eine Verdrängung von Colletes hederae bei hohen Honigbienendichten nachgewiesen werden. Der Landschaftstyp (städtischer vs. ländlicher Raum) war für die Abundanz von Colletes hederae nicht entscheidend.

Die Studie zeigt die Bedeutung von blütenreichen Efeubeständen als wichtige Pollenquelle für Colletes hederae und unterstreicht die Bedeutung eines nachhaltigen Schnittmanagements, um den ökologischen Wert von Efeubeständen für diese Biene zu erhalten. Wir konnten allerdings keinen Hinweis darauf finden, dass sich der städtische oder ländliche Raum deutlich in der Abundanz von Colletes hederae unterscheidet. Aufgrund des kleinen Datensatzes, des kurzen Untersuchungszeitraums und des begrenzten geografischen Gebiets sind weitere Untersuchungen wichtig, um die Ergebnisse dieser Arbeit zu bestätigen.

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